Rückblick: Bionet-Fachtag „Agri-PV & Ackerbau“ im Seewinkel

Am 9. Juni fand am Tadtner Meierhof (Neuhof) im burgenländischen Seewinkel der Bionet-Fachtag „Agri-PV & Ackerbau“ mit großem Interesse und reger Beteiligung statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Netzwerk Bionet gemeinsam mit der PANNATURA GmbH als Mitveranstalter und Praxispartner. Im Mittelpunkt stand die zukunftsweisende Verbindung von Landwirtschaft und erneuerbarer Energie durch Agri-Photovoltaik (Agri-PV).

Ein hochkarätiges Vortragsprogramm bot umfassende Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und praktische Anwendungen.

Den Auftakt machte Alexander Bauer (Universität für Bodenkultur Wien), der Ergebnisse aus Schattensimulationen sowie Berechnungen zur Sonneneinstrahlung unter den Modulen präsentierte und laufende Untersuchungen zu Regenverteilung, Bodenfeuchte, Wind und Luftfeuchtigkeit vorstellte. Anschließend erläuterte Martin Wette (Landwirtschaftskammer Österreich) die rechtlichen Rahmenbedingungen für Agri-PV-Anlagen und ordnete diese in die energiepolitische Entwicklung Österreichs ein.

Ralf Roggenbauer (Energiepark Bruck/Leitha) gab Einblicke in internationale Praxisbeispiele aus Europa und China und zeigte unterschiedliche technische Umsetzungsformen. Till Skudelny (Doppelernte GmbH, Deutschland) stellte das Konzept der „Doppelernte“ vor und erläuterte anhand eines Praxisbeispiels aus Bayern die Vorteile bifazialer Module, die auf Vorder- und Rückseite Sonnenlicht nutzen und so Mehrerträge ermöglichen können.

Einen Blick in die Forschungsgeschichte und aktuelle Entwicklungen gab Rhea Pöter (Fraunhofer ISE, Deutschland), die die Entwicklung der Agri-PV seit den 1980er-Jahren nachzeichnete und neueste Erkenntnisse präsentierte. Abschließend stellte Stefan Baumann (Forschungsinstitut für biologischen Landbau/FiBL Schweiz) das langfristige Forschungsprojekt AgriSolar vor, das über 25 Jahre hinweg die Auswirkungen von Agri-PV auf Landwirtschaft, Klimaschutz und Klimaanpassung untersucht.

Praxisprojekt Tadten/Wallern im Fokus

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Agri-PV-Anlage Tadten/Wallern – einem der größten Agri-PV-Wind-Kombinationsprojekte Europas. Die im März 2025 in Betrieb genommene Anlage umfasst aktuell rund 120 Hektar mit einer Leistung von 118 MW; weitere Flächen befinden sich im Ausbau. Das Gemeinschaftsprojekt von Burgenland Energie und PANNATURA zeigt eindrucksvoll, wie sich Energiegewinnung und biologische Landwirtschaft erfolgreich verbinden lassen.

Zu den Besonderheiten der Anlage zählen:

  • Verzicht auf klassische Einzäunung durch den Einsatz von Naturbarrieren und moderner Überwachung
  • Erhalt und gezielte Förderung von Biodiversität und Biotopverbund
  • Offenheit der Flächen für landwirtschaftliche Nutzung
  • Schwenkbare Module und große Reihenabstände für neue Bewirtschaftungsformen

Praxisnahe Einblicke am Feld

Am Nachmittag erhielten die Teilnehmenden direkte Einblicke vor Ort. Neben der Besichtigung der Agri-PV-Anlage wurden laufende ackerbauliche Versuche des FiBL Österreich präsentiert, unter anderem mit Getreide, Leguminosen und Feldgemüse. Erste Ergebnisse zeigen, dass Kulturen wie Salat, Knoblauch, Soja und Erdäpfel gut mit den Bedingungen unter Agri-PV zurechtkommen.

Ein weiteres Highlight war die Live-Demonstration moderner Hackrobotik durch PANNATURA, Pamberger Landmaschinentechnik GmbH und Gerhard Huber Landmaschinen GmbH, die das Potenzial von Digitalisierung und Automatisierung bis hin zur autonomen Bewirtschaftung eindrucksvoll aufzeigte.

Intensiver Austausch und starke Zusammenarbeit

Neben den fachlichen Inputs stand vor allem der Austausch im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Forschung, Energiebranche und Beratung nutzten die Gelegenheit zur Vernetzung und Diskussion. Die Veranstaltung, die gemeinsam mit BIO AUSTRIA Burgenland und FiBL Österreich umgesetzt wurde, verdeutlichte die Bedeutung enger Kooperationen für nachhaltige Lösungen.

Die durchwegs positive Resonanz zeigt: Das Interesse an Agri-Photovoltaik wächst – ebenso wie der Bedarf an praxisnahen Beispielen und interdisziplinärem Austausch.

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